Was ist beim Musizieren ein Fehler?

Jeder Musiker hat Angst vor Fehlern. Was aber ist das genau, ein Fehler? Wie definiert man ihn, und wer nimmt ihn als solchen wahr?
Dass ein falsch gespielter Ton, also etwa ein As statt eines A, als Fehler bezeichnet werden kann, dürfte allgemein verbindlich sein. Ein offensichtlich falscher Rhythmus ebenso. Aber ist es auch ein Fehler, wenn man einen Ton piano statt mezzoforte spielt? Oder wenn man klanglich nicht das gewünschte Resultat erzielt? Und was ist, wenn es in den Bereich des Ausdrucks geht – wenn man also als Musiker nicht gelingt, die gewünschte Atmosphäre musikalisch darzustellen, den Gehalt des Stückes entsprechend zu realisieren?
Interessant scheint mir, diese Aspekte aus den unterschiedlichen Perspektiven von Musiker und Hörer zu beleuchten. Was einem als Musiker auf der Bühne als fehlerhaft erscheint, muss es für Hörer noch längst nicht sein, möglicherweise bemerkt er dies nicht einmal. Wer selbst konzertiert, kennt das in der Regel, dass eine nach eigener Einschätzung misslungene Stelle vom Publikum überhaupt nicht als solche registriert worden ist. Das bedeutet nun nicht, dass man sich nicht um möglichst fehlerfreies Spiel bemühen sollte. Aber der Anspruch von Perfektion führt häufig zu Stress und verstärkt vorhandenes Lampenfieber. Man fährt wesentlich besser, sich eine gewisse Fehlertoleranz zuzugestehen, von vornherein zu akzeptieren, dass nicht alles perfekt klappen wird, aber man sein Bestes gibt – in dem Wissen, dass das meiste von dem, was man selber beim Spielen als Fehler betrachtet, beim Publikum gar nicht als solches gehört wird.
Im Zweifelsfall ist es ohnehin viel besser, sich auf die Vermittlung des richtigen Ausdrucks zu konzentrieren, anstatt sich ängstlich darum zu sorgen, ja keine falschen Töne zu spielen. Technisch perfektes, aber ausdrucksarmes Spiel ist öde, während eine mitreißende Darbietung keineswegs perfekt sein muss, aber vom Publikum als solche empfunden wird.

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