• Musikercoaching

Musikercoaching

Unter Künstlern und gerade auch unter Musikern findet man überdurchschnittlich viele sehr sensible Menschen. Das ist kein Zufall, setzt künstlerische Betätigung doch voraus, was als Definition für Hochsensibilität gilt: eine ausgeprägte Wahrnehmungs- und Einfühlungsfähigkeit, kreatives Denken und Bewusstsein auch für extreme Gefühlszustände. Während bildende Künstler aber meist allein in ihrem Atelier arbeiten, sehen sich Musiker vor das Problem gestellt, einerseits offen und empfindsam gegenüber der Musik zu sein, andererseits aber resilient und selbstbewusst angesichts der Belastungen von Auftrittssituationen und den Ansprüchen des Musikbetriebs. Der bei Hochsensiblen häufig anzutreffende Perfektionismus kann dabei schon bestehende Ängste noch zusätzlich verstärken.

Für angehende Musiker stellt sich dazu die Frage nach der beruflichen Ausrichtung: soll ich eine Laufbahn im Orchester, als Solist oder als Kammermusiker anstreben, oder liegt meine Stärke im Unterrichten? Wie sind die wirtschaftlichen Perspektiven in diesen Bereichen und wie kann ich all diese Aspekte in meiner Lebensplanung berücksichtigen?

Als Coach mit eigener langjähriger Erfahrung als konzertierender Musiker, als Musikpädagoge und in Prüfungs/Wettbewerbssituationen unterstütze ich dich dabei, deine Sensibilität als Qualität und Stärke zu empfinden und mit den belastenden Aspekten deines Musikerseins besser umgehen zu können.

Lampenfieber

Lampenfieber

Ein gewisses Maß an Lampenfieber vor einem Auftritt ist normal. Ja, eine emotionale Grundspannung ist sogar notwendig, um sich entsprechend fokussieren zu können, energetisch geladen zu sein. Problematisch wird es dann, wenn das Lampenfieber Angstzustände hervorruft, die ein freies Musizieren verhindern.
Auf der physiologischen Ebene zeigt sich Lampenfieber meist durch Phänomene wie Zittern, Schwitzen oder Herzrasen. Dahinter stehen immer negative Gefühle, die wiederum mit Gedanken zusammenhängen: Bin ich gut genug vorbereitet? Was passiert, wenn ich einen Fehler mache oder Gedächtnislücken habe? Auch die Angst, schlecht bewertet zu werden oder den Ansprüchen des Publikums, von Lehrern oder einer Jury nicht zu genügen, hemmt oft die Entfaltung des eigenen Potentials.
Ein Grund dafür kann sein, dass in der Ausbildung an Musikhochschulen häufig technische Perfektion, sprich: fehlerfreies Musizieren im Vordergrund steht. Viele Studenten identifizieren sich mit diesem Ideal, was  dazu führen kann, dass der Selbstwert davon abhängt, ob eine bestimmte Passage in der Vorspielsituation gelingt oder nicht – dem (Selbst)Bewusstsein als Musiker kann eine solche Haltung dauerhaften Schaden zufügen. Auch heimliche oder offene Rivalitäten unter Studenten oder Instrumentalklassen können eine toxische Wirkung haben.

Im Coaching erforschen wir zunächst, auf welche Art sich dein Lampenfieber äußert und mit welchen Gefühlen und Gedanken es gekoppelt ist. Welche Erfahrungen hast du bisher bei Auftritten gemacht? Wurden frühere negative Erfahrungen konserviert? Wie können diese Erfahrungen aufgelöst und ggf. neu bewertet werden, und welche Glaubenssätze stehen dem möglicherweise im Weg? Wir klären, was Erfolg für dich bedeutet, wie du ihn definierst und welche grundsätzlichen Ziele mit dem Musizieren verbunden sind.

Davon ausgehend entwickeln wir Strategien, damit du dich in Konzertsituationen und bei Auftritten sicherer fühlen kannst. Der erste Schritt kann darin bestehen, unerwünschte Gefühle wie Angst, Panik oder Scham zunächst als solche zu akzeptieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wir untersuchen deine Art des Übens und der Konzertvorbereitung nach Optimierungsmöglichkeiten, arbeiten mit Visualisierungstechniken, Methoden aus dem Mentalen Training und Körperübungen. Das Ziel ist ein freies und entspanntes Musizieren, bei dem das Publikum nicht als Bedrohung empfunden wird, sondern die Musik ein Medium darstellt, sich mit den Hörern zu verbinden und in eine Resonanz zu kommen.

Übrigens: auch viele berühmte Musiker hatten und haben Lampenfieber, allerdings sprechen die wenigsten gerne darüber. Der Cellist Pablo Casals bekannte in einem Buch: „“Ich kann mich an mein erstes öffentliches Konzert in Barcelona noch gut erinnern. Mein Vater und ich fuhren mit der Straßenbahn zum Theater. Ich fühlte mich verstört, und ich hatte Angst. Plötzlich sprang ich von meinem Platz auf und schrie: ,Was soll ich tun? Ich habe den Anfang des Stücks vergessen, das ich spielen muß!‘ – ,Beruhige Dich, es wird schon alles gut gehen‘, antwortete mein Vater, um mich zu trösten. Oh, diese Aufregung, diese Angst. Nie, weder damals noch später, konnte ich sie loswerden. Glauben Sie mir: obwohl ich seitdem mehrere tausend Konzerte gegeben habe, war ich immer genauso aufgeregt wie beim ersten Mal. Sie können sich vorstellen, wie viele Künstler ich während meiner langen Laufbahn kennengelernt habe; bei allen scheint die nervöse Angst eine Selbstverständlichkeit zu sein. Es gibt nur wenige Ausnahmefälle.“

Du siehst: Du bist keineswegs allein mit deinem Problem!