Was ist Hochbegabung?

Häufig, wenn auch nicht immer, finden sich bei hochsensiblen Menschen auch Aspekte von Hochbegabung. Offiziell „hochbegabt“ gilt man ab einem IQ von 130, was auf ca. 2-3 % der Bevölkerung zutrifft. Allerdings gibt es zum einen weit mehr Formen von Begabung, als von Intelligenztests gemessen werden können, wie etwa kreative, künstlerische oder kinästhetische Fähigkeiten. Zum anderen sind die Ergebnisse von IQ-Tests alles andere als zuverlässig. Man sollte solche Tests also nicht allzu ernst nehmen.
Wichtiger erscheint mir, wie sich Hochbegabung äußert und welche Probleme hochbegabte Menschen im Alltag haben können. Wie bei der Hochsensibilität sind sich auch viele Menschen ihrer Hochbegabung nämlich nicht bewusst, sondern empfinden häufig nur ein diffuses, mit Selbstzweifeln gepaartes Gefühl von Anders-Sein. Einige Merkmale von Hochbegabung sind im Folgenden aufgeführt:

  • Rasches Erfassen von komplexen Zusammenhängen, verbunden mit hoher Auffassungsgabe
  • Kreativität in der Konstruktion neuer Gedankenverbindungen
  • Umfassendes Reflektieren unter Berücksichtigung aller zur Verfügung stehenden Aspekte, damit einhergehend Schwierigkeiten, sich eine endgültige Meinung zu bilden bzw. zu Entscheidungen zu kommen
  • Widerstand gegen Alltagsroutine, Ungeduld und Langeweile angesichts monotoner und unterfordernder Aufgaben
  • Starkes Streben nach Perfektion und hohe Ansprüche an sich selbst, häufig gepaart mit Selbstzweifeln und Selbstkritik
  • Starke Emotionen
  • Ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit
  • Hohe Empathiefähigkeit
  • Neigung zu Überempfindlichkeit und Dünnhäutigkeit
  • Starke Stimmungsschwankungen

Gerade die letzten Punkte weisen eine starke Affinität zur Hochsensibilität auf, und tatsächlich haben Hochbegabte häufig mit ähnlichen Problemen zu tun wie Hochsensible. Ihr Anders-Sein erleben sie dabei durchaus nicht immer als positiv, sondern auch als belastend. Sie fühlen sich als Außenseiter, als zu kompliziert, zu empfindlich, zu anspruchsvoll, zu emotional – irgendwie ein „Alien“ innerhalb einer auf Anpassung und Funktionalität ausgerichteten Welt.

In der Literatur über Hochbegabte findet man folgende Unterscheidung, die den Grad des Erkennens und Auslebens der Begabung beschreibt:

  • Talente

    sind Personen, die in der Lage sind, ihre herausragende Begabung in entsprechenden Erfolg umzusetzen. Sie schaffen es an die Spitze von Wirtschaft oder Politik, werden berühmte Musiker oder Autoren. Häufig wurden sie bereits früh als Wunderkind erkannt und entsprechend gefördert.

  • Latente

    sind die Menschen, die ihre Hochbegabung dazu nutzen, gut durch das Leben zu kommen, hier und dort Erfolge erzielen, ohne sich dafür allzusehr anstrengen zu müssen. Dabei ahnen manche, dass mehr in ihnen steckt, als sie aufgrund frühkindlicher Traumatisierung oder anderer negativer Einflüsse ausleben konnten, manche leiden darunter oder machen sich oder anderen Vorwürfe.

  • Underachiever

    haben die größten Probleme. Da ihre hohe Begabung nicht erkannt und gefördert wurde oder sie aufgrund schlechter Erfahrungen in der Schule die Leistung verweigerten, werden sie sozial ausgegrenzt, eventuell sogar auf eine Förder- oder auf eine Hauptschule geschickt. Bei Schulkindern wird manchmal gar eine Leistungsschwäche (Legasthenie, Dyskalkulie) diagnostiziert, da sie sie häufig anders lernen als der Durchschnitt. Ihre oft unkonventionelle und ungewöhnliche Art, Probleme und Aufgaben zu lösen, kann bei Lehrern und Eltern auf Widerstand stoßen. Bei Kindern besteht dann die Gefahr, dass sie eine negative Einstellung zum Lernen und zur schulischen Ausbildung entwickeln und durch schlechte Noten der Einstieg in ein erfolgreiches Berufsleben gefährdet wird.

Zu welcher Gruppe Du auch gehörst – als Coach helfe ich dir, mit deiner Hochbegabung besser umzugehen, damit Du dir bei emotionalen Belastungen selbst helfen kannst. Wie bei der Hochsensibilität besteht auch bei der Hochbegabung der erste Schritt in Selbstakzeptanz. Das ist für viele gar nicht so einfach, fürchten sich viele doch vor der Einschätzung, „etwas Besonderes“ zu sein oder für elitär gehalten zu werden. Mit dem Erkennen der eigenen Hochbegabung kann häufig Trauer oder auch Wut darüber entstehen, das eigene Potential nicht genutzt und Chancen verpasst zu haben. Wer aber während des Coachingprozesses lernt, zu seinen Fähigkeiten zu stehen, ist in jedem Lebensalter zu erstaunlichen Entwicklungsprozessen in der Lage.

Überflieger

Vielbegabung

Ein weiterer Aspekt von Hochbegabung ist die Vielbegabung. Diese sogenannten „Scanner“ zeichnen sich dadurch aus, dass sie in vielen, zum Teil sehr unterschiedlichen Bereichen sehr begabt sind und erstaunliche Leistungen vollbringen. Manche können gleichzeitig eine wissenschaftliche Karriere verfolgen, dazu meisterhaft ein Instrument spielen und dazu noch eine Sportskanone sein.
Während aber in früheren Zeiten der Typus des Universalgelehrten wie Leonardo da Vinci, Galileo Galilei oder J.W. von Goethe hohes Ansehen besaß, ist unsere moderne, wissenschaftsgeprägte Kultur eher vom Spezialistentum geprägt. Für alles gibt es heute Fachleute, die von einer Sache viel, von anderen dafür aber häufig nichts verstehen. Dabei wäre gerade der fachübergreifende Blick aus der Metaperspektive in vielen Lebensbereichen so wichtig. Dafür brauchen wir Scanner!
Die Gefahr für Vielbegabte liegt nun darin, dass sie leicht Gefahr laufen, sich in ihren vielfältigen Interessen und Talenten zu verzetteln: fangen an einem Tag mit einem Projekt an, um es am nächsten wieder aufzugeben und sich etwas anderem zuzuwenden – es gibt doch soviel Spannendes auf der Welt!

Für diese Menschen sind Orientierung und Fokussierung wichtig. Sie müssen sich Ziele setzen und Wege finden, diese trotz aller Ablenkungen auch zu erreichen. Struktur und Disziplin sind gerade für Vielbegabte wichtig, wenn sie etwas erreichen wollen und nicht in vielen Disziplinen geniale Dilettanten bleiben möchten. Das kann man üben.